Kurt-Stugis-Wanderpokal geht erneut nach Schwerin
Werbellinsee. Nach einer bis zuletzt spannenden und herausfordernden Regatta hat mit dem Team Stefan und Nils Theuerkauf vom Verein Mecklenburgisches Staatstheater e.V. („Quo Vadis“, Boot-Nr. 4141) der amtierende Deutsche Meister auch die IDM 2026 auf dem Werbellinsee für sich entscheiden können, vor allem durch seine konsequente Leistungsstabilität. Im Ergebnis erreichten die beiden Schweriner nach sechs Wettfahrten 17 Punkte netto, da wie bei allen Teams jeweils das Ergebnis der schlechtesten Wettfahrt gestrichen worden war. Bei ihnen war es die 5., gesegelt zunächst auf Platz 16 und dann auch noch disqualifiziert. Und obwohl sie keine Wettfahrt gewonnen hatten, war ihre Serie von zwei 2., zwei 4. und einem 5. damit nicht zu unterbieten (Olympisches Punktsystem).
Mit 24 Punkten netto, darunter einem Sieg in der 3. Wettfahrt, verwiesen sie das Team Frieder Billerbeck und Julius Raithel („Clown Sails“, Boot-Nr. 18), vom SV Wedel-Schulau e.V. aus Schleswig-Holstein damit auf Platz 2 und das Boot Konstanze (Nr. 13) mit Andreas und Martin Ebel vom WSV Güstrow 1928 e.V., die 25 Punkte netto erreichten, auf Platz 3.
Das Rennen wurde letztlich komplett am letzten Wettkampftag entschieden:
Nach zwei erfolgreichen Wettfahrten am 15.07. mit östlichen Winden von bis zu drei Windstärken hatten noch die Berliner Phyllis und Donald Lippert („kleiner Argus Bruder“, Nr. 4263) geführt, die letztlich 7. wurden und das Team Theuerkauf war erst auf Platz 3 gekommen. Allerdings musste dann am 15.07. die dritte Wettfahrt und auch am 16.07. die 4. Wettfahrt abgebrochen werden, da die Bedingungen am Ziel nicht mehr ausreichten, um einen fairen Wettkampf zu garantieren.
Zunächst wurde mangels Wind der 1. Start auf 13:00 Uhr geschoben, bei östlichen Winden wurde dann bei Altenhof der Kurs aufgebaut. Eine Wettfahrt wurde angeschossen und es gab zunächst auch relativ stabile Bedingungen mit Wind um die 8 bis 10 Knoten. Über 90 % der Wettfahrtdauer war der Wind gut segelbar, es herrschten aus Sicht einer Deutschen Meisterschaft halbwegs vertretbare Bedingungen mit den für ein Binnenrevier wie den Werbellinsee üblichen Winddrehern und -löchern.
Auf den „letzten Metern“ vor dem Ziel war es dann aber nicht mehr möglich, fair zu segeln. Teilweise sind Boote von den Luvmarken mit Vorwind und Spinnaker regulär den Kurs abgefahren, 20 Meter entfernt fuhren Boote die „Zielkreuz“ auch mit Raumwind.
Der Zieleinlauf wurde noch durchgeführt, die Wettfahrt aber aufgrund der unfairen Bedingungen nach Abschluss des Zieldurchlaufes durch den Wettfahrtleiter abgebrochen, also nicht gewertet. Wettfahrtregel 32.1 (d) ermöglicht das.
Und am 17.07. war aufgrund des fehlenden Windes überhaupt kein Start möglich, die Boote blieben an Land.
Zum Glück drehte das Wetter und mit der atlantischen Tiefdrucklinie kam genug Wind zum Segeln. Für einige Sportsfreunde war es dann sogar ein bisschen zu viel.
Aufgrund der quasi ausgefallenen beiden mittleren Wettfahrttage zog der Wettfahrtleiter Christoph Laska am 18.07. den ersten geplanten Start auf 09.00 Uhr vor und ließ dann vier Wettfahrten im Prinzip ohne Pause durchsegeln, da der letzte Start lt. Ausschreibung auf 14.00 Uhr geplant war.
Um die Teilnehmer, die natürlich auch ungeduldig waren, zusätzlich zu disziplinieren, startete er von Beginn am mit der Flagge U und nachdem es dann trotzdem beim ersten Start zu einem Frühstart mit Gesamtrückruf gekommen war, verschärfte er auf „Schwarz“. (Die „Black-Flagg-Regel“ bedeutet, dass Boote automatisch für die Wettfahrt disqualifiziert werden, wenn sie vor dem Startsignal die Startlinie überqueren; bei „U“ kann dies noch durch das Umfahren der Startboje und Anstellen quasi von hinten abgewendet werden.) Im Ergebnis mussten so nur noch einzelne Boote disqualifiziert werden, aber die Masse startete korrekt.
Der Wind kam am 18.07. jetzt aus westlichen Richtungen mit 16 – 18 Knoten, einzelne Böen erreichten sogar gemessene 26 Knoten! Dies stellte die Sportler und die Boote vor erhebliche Herausforderungen. Sechs Boote kenterten im Verlauf der Wettfahrten und mussten teilweise geborgen werden. Fünf Crews mussten aufgrund von Materialschäden aufgeben; zu Personenschäden kam es zum Glück nicht.
In der fünften Wettfahrt konnten so sieben und in der letzten Wettfahrt so sogar zehn Boote nicht mehr gewertet werden; dies bedeutet für die Teilnehmer dann jeweils die Punkte für das letzte Boot zuzüglich einen/ zwei Strafpunkte.
Insofern konnten der Landrat des Landkreises Barnim Daniel Kurth, der Präsident des Verbandes Brandenburgischer Seglern Michael Fiedler und der Vizepräsident des Deutschen Seglerverbandes Claus Otto Hansen am späten Nachmittag des 18.07.26 den o.g. drei Seglercrews somit verdient zum Deutschen Meister sowie zum Zweiten und Dritten der IDM 2026 und allen anderen Teilnehmern zu einem erfolgreichen und regulären Wettkampf gratulieren.
Neben den Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gab es natürlich Urkunden für alle Teilnehmer sowie mehrere Sonderpreise für besondere Einzelleistungen. Beispielhaft gab es einen Sonderpreis für die beste ausländische Crew: Josef und Dalibor Sivy auf „Tangenta Ill“ (Nr. CZE 554), eine von vier tschechischen Crews, erreichten insgesamt Platz 12. Und die „Rote Laterne“ ging an das einheimische Team Eric Graffunder und Bob Dannehl auf „Radagast“ (Nr. 3775), ein Boot, dass sie erst eine Woche in Nutzung hatten; beste Platzierung immerhin 43. in der letzten Wettfahrt. Als bestes Boot von Stahl Finow („janz eckig“, Nr. 4488) erreichten Christopher Jantz und Christian Eckart immerhin den 25., konnten damit aber nicht ganz ihre Wunschplatzierung unter den besten Zehn erreichen.
Wichtigste Auszeichnung des Abends war im Übrigen natürlich die Übergabe des Wanderpreises der Klassenvereinigung der Piraten-Bootsklasse an die Sieger, die sie mitgebracht hatten und wieder mitnehmen konnten. Dieser Wanderpreis wurde Ende der 1970-er-Jahre durch den Sportsfreund Kurt Stugis von der damaligen BSG Stahl Finow privat gesponsert worden und er konnte zu DDR-Zeiten noch zweimal durch Stahl Finow gewonnen werden. Seit 1990 als gesamtdeutscher Wanderpokal von Sieger zu Sieger weitergereicht, kam er so 2026 zumindest für eine Woche wieder in seine Heimat.
Der Abteilungsleiter Segeln des SV Stahl Finow e.V. Mario Drechsler dankte vor dem Hintergrund der anstrengenden und schönen Wettfahrttage, aber auch der vielen logistischen Herausforderungen im Hintergrund noch einmal allen Sportsfreunden des SVSF, die „ehrenamtlich diese tolle Regatta vorbereitet, begleitet und durch ihren Einsatz zum Erfolg geführt“ haben. Und angesprochen auf die Vielfalt logistischer Einzelprobleme, wollte er auch nicht ausschließen, dass sich die Segler von Stahl Finow irgendwann mal wieder für die Ausrichtung einer Deutschen Meisterschaft melden. Aber erst „irgendwann“!
Zuletzt hatten die Segler 2013 die IDM der Klasse der XY-lon Boote ausgerichtet…
(alle Platzierungen unter „manage2sail“)
Toralf Reinhardt

